Welch Empfang in Myanmar: Yangon, die grösste Stadt des Landes, begrüsst mich mit viel Lärm, tropischer Feuchtigkeit und unglaubliche Impressionen. Ein Erlebnisbericht zum Kulturschock in der ehemaligen Hauptstadt von Burma.

Unkomplizierte Anreise: Hallo altes Burma!

Eine Reise von Europa nach Südostasien braucht immer viel Zeit, Geduld und eine Prise Durchhaltewille. Doch alle meine Flüge auf der Route ZRH – VIE – BKK – RGN verliefen mehrheitlich ereignislos, was in diesem Fall sehr positiv zu bewerten ist. So konnte ich viel schlafen, lesen und mich mit dem Sitznachbar unterhalten, so dass die Flugzeit wie im Flug verging.

Yangon, der Startpunkt einer Myanmar Rundreise

Praktisch alle Touristen beginnen ihre Myanmar Reise in der Hauptstadt Yangon, denn hier liegt der grösste internationale Flughafen des Landes. Und mir geht es nicht anders.

Die Stadt Yangon, aus der englischen Kolonialzeit auch als Rangun oder Rangoon bekannt, war bis 2005 die Hauptstadt von Myanmar, ehe man den den Regierungssitz in einer Palast-ähnlichen Anlage nach Naypyidaw verlegt hat.

Yangon ist die grösste Stadt des Landes. Hier leben über 5 Millionen Menschen und bildet das wirtschaftliche sowie kulturelle Zentrum.

Bereits bei der Ankunft im Stadtzentrum fällt es auf, dass im Vergleich zu Bangkok oder Kuala Lumpur, auf den Strassen eher wenige bis gar keine Roller unterwegs sind. Auch Tuk-Tuk sucht man hier vergeblich. Dafür gibt es eine Vielzahl an Autos, was entsprechend die Umwelt stärker belastet und jeden Morgen und jeden Abend zu mühsamen Stau führt. Das Taxifahren ist hier für europäische Verhältnisse spottbillig, doch man verliert auch unheimlich viel Zeit dabei.

Die Stadt befindet sich in der tropischen Klimazone – und das merkt man auch gleich. Es ist heiss, schwül, stickig. Es tut mir richtig gut, weit weg von den herbstlichen Temperaturen in Europa zu sein – es ist genau so, wie ich es mir gewünscht habe. Auch wenn es ein bisschen Angewöhnungszeit braucht; die nehme ich mir gerne auf mich.

Und die ersten Impressionen aus dem Bus zwischen Flughafen und Hostel in der Innenstadt geben Lust auf mehr. Die Menschen sind hier extrem freundlich, trotz den sprachlichen Barrieren mit mir. Wenn man jemandem helfen will, kann man dies auch tun, ohne jedes Wort zu verstehen.

streets of yangon

sule pagode yangon

menschen yangun

yangon menschen

Die Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt von Yangon

Trotz der Dunkelheit – ja, um diese Jahreszeit ist es bereits um 18:30 Uhr finster – bin ich nach meiner Ankunft im Hostel Little Yangon voller Tatendrang: Geschlafen habe ich nämlich im Flugzeug genug, ich will mir die Umgebung ansehen.

Und hier im Downtown liegen sowieso die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt. So schlendere ich durch Marktstände mit Früchten und Handyhüllen in Richtung Sule-Pagode, eine der berühmtesten buddhistischen Tempelanlagen von Yangon. Nach historischen Überlieferungen ist diese Pagode bereits über 2600 Jahre alt. Dies ist noch älter als die weltbekannte Shwedagon-Pagode (siehe weiter unten).

Der Grundriss der Sule-Pagode ist achteckig; ein stilistisches Zeichen der Mon-Architektur. Der Tempel wird heute noch von vielen Einheimischen als religiöser Rückzugsort besucht. Die Sula-Pagode hat auch eine wichtige Bedeutung in der modernen Geschichte von Myanmar, sei es beim Volksaufstand im Jahr 1988 oder bei der Safran-Revolution 2007.

Gleich neben der Sule-Pagode liegt der Maha Bandula Park mit dem Independence Monument in seiner Mitte. Ein weisser Obelisk ehrt die Unabhängigkeit des Landes gegenüber dem britischen Empire. Der grüne Park ist umgeben von verschiedenen wichtigen Gebäuden der Stadt, wie z.B. das Verwaltungsgericht oder das Rathaus, der Yangon City Hall.

St Marys Cathedral

St Marys Cathedral Yangon

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Nach einer kurzen Nacht geht es dann so richtig los: In den frühen Stunden, in denen die Temperaturen noch richtig angenehm sind, geht es zur St. Mary’s Cathedral. Die grösste katholische Kirche des Landes. Ein prachtvolles Gebäude aus roten Ziegelsteinen, welches 1899 erbaut wurde.

Die erste buddhistische Tempelanlage, die ich von innen besuche, ist die Botahtung Pagode. Diese liegt gleich am städtischen Fluss, im Südosten der Innenstadt. Auch wenn der 40 Meter hohe  Zedi (die Spitze des Tempels) sich gerade in Rennovation befindet, kann man durch den Innenraum gehen: Eine Seltenheit bei einer Pagode. So läuft man durch einen eindrucksvollen Gang, der von Boden bis zur Decke vergoldet ist.

Der grösste Markt der Stadt, der Bogyoke Aung San Market, befindet sich ebenfalls in der Altstadt. In einem schönen alten Kolonialgebäude sind die Stände auf zwei Stockwerke verteilt. Der Markt für allerlei Waren, von Schmuck über Gemälde bis hin zu Kleider, war jedoch an jenem Montag geschlossen. Vielleicht schaffe ich es vor dem Rückflug dort vorbei zu gehen?

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Die Shwedagon Pagode – das Highlight von Yangon

Das Highlight von Yangon, wenn nicht sogar von ganz Myanmar, ist ganz klar die Shwedagon Pagode. Mit seinem 99 Meter hohen Zedi gilt diese Tempelanlage als eine der heiligsten Stätten des Buddhismus. Und ja, alles was hier glänzt, ist tatsächlich aus Gold und Edelsteinen.

Vier verschiedene Eingangstreppen führen zur Hauptterasse des Tempels. Die Geschichte der einzelnen Gebäuden und Statuen zu erläutern würde wahrscheinlich ein ganzes Buch füllen – und ihr entschuldigt mich, wenn ich dies an dieser Stelle auslasse.

Was ich aber vor Ort erfahren habe: Der Gläubige läuft die Terasse im Uhrzeigersinn ab. Und für jeden Tag gibt es eine Buddha-Statue mit einem kleinen Brunen: Es bringt Glück wenn man die Statue vom Tag seiner Geburt dreimal mit einem Becher heiligem Wasser begiesst. Gesagt, getan.

yangon shwedagon pagode

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Die Shwedagon Pagode ist ganz klar der Touristenmagnet der Stadt. Aber nicht nur für Ausländer eine wahre Attraktion: Auch etliche Einheimische sind da. Viele die mit den Touristen einfach Englisch sprechen wollen (um die Sprache zu lernen). Einige geben sich als Guides aus, die „kostenlos“ viele Informationen zur Pagode und zum Buddhismus Preis geben. Und ein paar (junge) Frauen, die mit weissen Männern ein Selfie ergattern wollen. All diese Leute haben eine Gemeinsamkeit: Immer sehr freundlich, lächelnd, nett.

Und ja, es lohnt sich wirklich, ein paar Stunden in der Shwedagon Pagode zu verbringen! Ich konnte mich ab den einzelnen kleinen Tempeln nicht sattsehen. Und insbesondere in den früheren Abendstunden wird es spannend, in der Zeit der blauen Stunden, bis die Pagode beleuchtet wird.

Der Eintritt zur Shwedagon Pagode kostet übrigens 10’000 Kyat; ein Schnäppchen wie ich finde, für ein solches nationales Wahrzeichen. Und für alle diese Erlebnisse.

Weitere Pagoden, die sich lohnen

Unweit der Shwedagon Pagoden liegen zwei weiter buddhistische Tempel, die sich für Interessierte ebenfalls lohnen könnten:

Im Ngahtatgyi Paya befindet sich eine der schönsten Buddha-Statuen von Yangon: Der 14 Meter hohe, sitzende Buddha. Eine weiss-goldene Statue, die bereits beim Anblick einem zur inneren Ruhe führt.

Und im Chaukhtatgyi Paya befindet sich ein wunderschöner, liegender Buddha: Dieser ist 65 Meter lang und somit um 10 Meter länger als die berühmtere Statue in Bago.

sitting buddha yangon

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Verlassener Erlebnispark – einer der „lost places of Yangon“

In der Nähe des zoologischen Parks findet man auf Abwegen auch einen verlassenen Erlebnispark. Die mit Pflanzen überwachsenen Achterbahnen und Karussellen bilden einen nicht ganz alltäglichen und durchaus netten Fotospot….und ein Erlebnis der anderen Art. Aber ja, auf eigenes Risiko.

lost places yangon

Yangon Lost Places

Rooftop Bar Yangon auf dem Sakura Tower

Wer mich kennt, weiss wie ich weite Aussichten über eine fremde Stadt geniessen kann. Wie in vielen verschiedenen Hauptstädten gibt es auch in Yangon eine Rooftop Bar, mit netter Aussicht auf die Stadt: Die Bar Yangon auf dem Sakura Tower.

Die Bar hat zwar einen Eintritt von 5000 Kyats, in dem aber auch ein Getränk nach Wahl inbegriffen ist. Eigentlich wollte ich von hier aus den Sonnenuntergang geniessen, doch das Wetter spielte leider nur mässig mit.

Dennoch: Eine atemberaubende Vogelperspektive auf eine tolle Stadt!

rooftop yangon sakura tower

Auch wenn ich von Yangon sicher nicht alles gesehen habe – kann man auch kaum machen, in nur zwei Tagen – hat mich diese Stadt begeistert.

Die Menschen sind freundlich, das Essen ist herrlich (insbesondere im China Town, zwischen der 18. und 24. Strasse),…und der Einstieg ins burmesische Leben gelingt so einem wunderbar.

Ich freue mich auf Ende Monat, wenn ich hier nochmals kommen „muss“. Und bis dahin, freue ich mich noch mehr von diesem wunderschönen Land zu sehen!

 

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