Aletsch Panoramaweg: Eine Zweitageswanderung am Aletschgletscher

Der Herbst ist da - die perfekte Jahreszeit für Wanderungen in den Schweizer Alpen. Wie wäre es, mit einer Zweitageswanderung in der Aletsch Arena? Bericht einer Wanderung mit atemberaubenden Aussicht auf den Aletschgletscher.

Zusammenfassung der Zweitageswanderung in der Aletsch Arena

Tag 1:

  • Anreise: Mit dem Zug nach Betten (Talstation), grosse Gondel nach Bettmeralp & 8er Gondel auf das Bettmerhorn
  • Route: Bettmerhorn – Hohbaum – Roti Chumma – Märjelensee – Gletscherstube
  • Dauer: 3 bis 4 Stunden, inkl. Mittagspause & Abstecher direkt an den Aletschgletscher

Tag 2:

  • Route: Gletscherstube – Fiescheralp – Bättmer Hitta – Moosfluh – Gratweg zur Riederfurka – Riederalp
  • Dauer: ca. 6 Stunden
  • Rückreise: Gondel von Riederalp West nach Mörel, von da mit dem Zug zurück in das Schweizer Mittelland

 


 

View Point Aletsch Bettmerhorn

 

Die Reise auf das Bettmerhorn

Voller Motivation auf die bevorstehenden zwei Tage steige ich von Bern in den Zug Richtung Wallis. Erst nach 9 Uhr, da der erste Wandertag der gemütlichere der beiden wird: Ein kleiner Spaziergang von rund 3 Stunden steht auf dem Programm, vom Bettmerhorn bis zur Gletscherstube. So besteige ich den fast leeren Zug nach Brig, an einem prächtig sonnigen Tag. Von Brig aus geht es dann weiter mit dem engen, holzigen Regionalzug über Mörel und Bitsch nach Betten – und die Flachwitze der Mitreisenden kamen wie erwartet flach rüber.

In Betten steige ich in die Gondel um, die uns zuerstmal in das Feriendorf Bettmeralp hinauf führt. Die familiäre Touristenhochburg ist im Sommer kaum wieder zu erkennen – es fehlen mir eindeutig die meterhohen Schneewände zur Orientierung. Dennoch finde ich problemlos den Weg zur kleinen Gondel, die uns bequem hinauf aufs Bettmerhorn bringt. Unterwegs erspähen wir noch drei kleine Murmelis, die sich gemütlich sonnen.

Oben angekommen, geht es schnurstracks zum ersten View Point mit bester Aussicht über den Aletschgletscher. Wieder so ein Touristenmagnet, welches leicht zu erklären ist, warum es ein Touristenmagnet ist: Die Sicht über die lange Gletscherzunge ist schlichtweg atemberaubend und gilt durchaus als Schweizer Sehenswürdigkeit. Und der Gedanke dran, die nächsten rund 40 Stunden in dieser Region zu verbringen, lässt meine Vorfreude wachsen.

Aussicht auf die Bergwelt Bettmerhorn

Abstieg Bettmerhorn zum Panoramaweg Aletsch

Nach der Anpassung der Wanderkleidung – auf 2’800 Meter über Meer ist es nicht einfach ein Mittelmass zu finden – starten wir offiziell unsere Zweitageswanderung. Los geht es, mit einem halbstündigen Abstieg vom Bettmerhorn Richtung weltbekanntem Panoramaweg. Der zum Teil ziemlich steile Wanderweg führt durch Fels und Geröll, stets mit wunderschöner Bergwelt als landschaftlichem Hintergrund. Mit den Schleierwolken, ein wunderschöner Anblick.

Bergspitze rund um den Aletschgletscher

An der Verzweigung namens Hohbaum, folgen wir dem Wanderweg zum Märjelensee. Und hier beginnt der traumhafte Teil des ersten Tages: Der Weg führt fast 2,5 Stunden lang parallel dem Aletschgletscher entlang. Praktisch keine Höhenmeter sind zu bewältigen (ok, ganz wenig auf und ab geht es), alles führt uns gerade aus – ein perfekter Ort für ein Mittagessen mit dem Gaskocher. Weil ein Risotto mit einer solcher Aussicht nochmals besser schmeckt.

Wanderung auf dem Panoramaweg Aletschgebiet

Der grosse Gletscher in der Aletsch Arena

Panoramaweg Aletschgletscher

Ode an den Grossen Aletschgletscher

Der Grosse Aletschgletscher ist schlichtweg imposant. Sei es von den verschiedenen View Points Bettmerhorn, Eggishorn oder Moosfluh aus der Entfernung betrachtet oder aber direkt am Fuss des (sogenannten) ewigen Eises: Diese Landschaft in der Aletsch Arena ist einzigartig und atemberaubend. Der Gletscher wirkt wie ein Eisstrom, der sich auf eine Länge von 23 Kilometern zwischen den Berggipfeln zieht und eine Oberfläche von rund 86 km² aufweist – somit ist der Aletschgletscher der längste Gletscher in den Alpen. Und dies macht diese Wanderung zum ultimativen Ausflugstipp.

Von der Jungfrauregion bis zur Massaschlucht hat der Aletschgletscher die Landschaft geformt und geprägt. Vor etwa 18’000 Jahren bedeckte das Eis während der Eiszeit noch die Bergrücken zwischen Bettmerhorn und Riederhorn; nur die Bergspitzen vom Bettmerhorn und Eggishorn waren damals eisfrei. Um 1860 hatte der Grosse Aletschgletscher seinen letzten Hochstand: Der Gletscherrand lag beim Aletschwald rund 200 Meter höher als heute.

Die globale Erwärmung nimmt jedoch ein beunruhigendes Ausmass: Der Grosse Aletschgletscher verliert järhlich bis zu 50 Meter an seiner Länge und auch die Gletscherränder weisen auf einen drastischen Rückgang durch die Abschmelzung hin.

Weitere Fakten zum Aletschgletscher (Wikipedia)

Nahaufnahme Gletscher Aletsch

Grosser Aletschgletscher

Wanderung entlang Aletschgletscher

Märjelensee & Abstecher zum ewigen Eis

Als Verdauungsspaziergang marschieren wir weiter in Richtung Märjelensee, wo wir dann gemütlich am Wasser eine Kaffeepause mit Süssigkeiten einlegen können. Da der erste Wandertag mit einer eher kurzen Marschzeit geplant ist, können wir umso mehr den Moment in dieser imposanten Landschaft geniessen. Und was gibt es besseres, als ein selbstgemachter Kaffee an einem Bergsee zu schlürfen?

Zudem haben wir auch genügend Zeit, spontane Einfälle umzusetzen. So haben wir gesehen, dass bevor man rechts zum Märjelensee abbiegt, auch links hinunter zum Gletscher absteigen kann. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass dies hier ein beliebter Ort sei, für die bekannten Gletscherwanderungen zu starten. Wir können hier das ewige Eis berühren – und von nahem wirkt der Gletscher noch imposanter, noch unberührter, noch unheimlicher. Mir wird (wiedermal) bewusst, dass wir Menschen neben einem solchen Naturphänomen nur winzig klein sind. Und diese Demut tut mir immer wieder gut.

Startpunkt der Gletscherwanderung Aletschgebiet

Am Fuss des grossen Aletschgletschers

Mäjelensee beim Aletschgletscher

Schlafplatz in der Gletscherstube

Zurück auf dem offiziellen Wanderweg, bekommen wir allmählich Lust auf ein nettes Apéro. Wie immer, wenn man auf einer Wandertour im Wallis ist. So geht es hinauf, wieder am Märjelensee vorbei, zur Gletscherstube. Diese kleine Berghütte liegt am Stausee namens Vordersee und bewirtet tagsüber die Wanderer mit leckeren Mahlzeiten und Getränken.

Die Gletscherstube wird auch der Schlafplatz sein, für unsere erste Übernachtung in der Aletscharena. Die Hütte hat je nach Schneelage von Anfang Juli bis Mitte Oktober geöffnet und bietet mit seinen 3 Zimmern total 35 Schlafplätze. Da Bettdecken und Kissen vorhanden sind, ist ein Schlafsack nicht erforderlich. Eine Übernachtung mit Halbpension (also mit Nachtessen bei Ankunft und Frühstück am nächsten Morgen) kostet CHF 70.-. Reservationen müssen per Formular oder Telefon getätigt werden.

Für mich ist es schon eine Weile her, seit ich zum letzten Mal in den Bergen übernachtet habe. Und ich muss sagen: Ich habe die romantische Abendstimmung in den Alpen regelrecht vermisst.

Gletscherstube Aletsch Arena

Gletscherstube am Vordersee

Nach einer eher kurzen Nacht (beste Grüsse an den Schnarcher im Zimmer!) stärken wir uns dank einem grossen Frühstücksbuffet voller leckerer Spezialitäten aus der Region. So kommen der Käse, das Fleisch und die Joghurts logischerweise aus benachbarten Dörfern angeliefert.

Abmarsch Richtung Fiescheralp

Wir wissen es jetzt schon: Der zweiter Wandertag wird fast doppelt so lang gehen, wie der erste. So entscheiden wir uns, gestärkt und voller Motivation, bereits in den früheren Vormittagsstunden loszulaufen. Die Wanderwege sind um diese Zeit noch leer, wir haben die Alpenwelt für uns allein – besser lässt sich unseren Sonntagsausflug nicht in Angriff nehmen.

Das erste Tagesziel heisst Fiescheralp. Bei wolkenlosem Himmel geht es fast zwei Stunden lang vorallem bergab. Den Grossen Aletschgletscher haben wir nun für eine Weile verlassen, dafür begrüsst uns von weitem der zweite grössere Gletscher der Region, der Fieschergletscher. Auch dieser wirkt bezaubernd, auch wenn er in den Vormittagsstunden noch etwas im Schatten liegt.

Fieschergletscher Aletsch Arena

Bänkli an der Sonne

Aufstieg zum View Point Moosfluh

Nach einer kurzen Pause im familiären Dorf Fiescheralp – übrigens wo die Gondelstation für den Aufstieg aufs Eggishorn steht – laufen wir weiter in Richtung Bättmer Hitta (ca. 30 Minuten). Hier könnte man auch ein bisschen verweilen, da die Terrasse des Restaurants sehr einladend an der Sonne liegt. Doch wir haben keine Zeit, wir wollen unser Mittagessen erst auf der Moosfluh zu uns nehmen.

Doch diese Mahlzeit müssen wir uns zuerst einmal verdienen: Der Wanderweg von der Bättmer Hitta auf die Moosfluh (ca. 1,5 Stunden) ist nicht ohne.  Was sich zuerst sehr gemütlich gestaltet, wird dann plötzlich sehr streng: Ohne grosse Vorwarnung kommt ein sehr steiler Aufstieg, vorbei an weidenden Kühen, bis hinauf zum View Point Moosfluh. Die Aussicht von hier auf den Grossen Aletschgletscher entschädigt jedoch jegliches Leiden – wie auch die mit viel Liebe gebratene Eringer Bratwurst an der sommerlichen Sonne.

Aussicht View Point Moosfluh

Gratweg zur Riederfurka

Aussicht auf die Riederalp

Über Gratweg hinunter: Hallo Riederalp

Gestärkt und gut gelaunt – das sind die Vorzügen der Eringer Bratwurst – wollen wir den letzten Teil unserer 2-Tageswanderung in Angriff nehmen. So geht es auf einen netten Gratweg, mit dem Grossen Aletschgletscher im Rücken, in Richtung Riederalp. Der Abschnitt Moosfluh via Hohfluh bis zur Riederfurka dauert ca. 1,5 Stunden – und ist im Winter übrigens eine schöne Schneewanderungsstrecke. Besonders der Teil im verschneiten Aletschwald muss einer Märchenlandschaft ähneln.

Von der Riederfurka aus erblickt man dann schlussendlich das finale Tagesziel: Das kleine Feriendorf von Riederalp. Der Abstieg dauert etwa eine halbe Stunde. Und ganz ehrlich: Ich bin nicht ganz unglücklich, dass dieser doch eher lange Wandertag ein Ende nimmt.

 


2-Tageswanderung in der Aletsch Arena: Mein Fazit

  • Der Grosse Aletschgletscher – der grösste Gletscher der Alpen – ist eine wahre Augenweide. Es lohnt sich (immer wieder) in die Aletsch Arena zu kommen, schon nur für diese fantastische Landschaft zu bewundern. Die schönsten Aussichten auf den Gletscher hat man sicher von den drei offiziellen View Points auf dem Bettmerhorn, Eggishorn und von der Moosfluh. Doch auch der ganze Panoramaweg entlang dem Gletscher (von Hohbaum bis zum Märjelensee) liefern immer wieder unvergessliche Bilder.
  • Wie lange wird es überhaupt noch Gletscher geben? Wie kann ein solch fragiles Ökosystem mit dem aktuellen Klimawandel überleben? Solche Fragen kamen mir während meiner Wanderung beim Anblick auf den Aletschgletscher immer wieder auf. Bei dieser Grösse und dieser Schönheit werde ich demütig. Und die komplexe Thematik des Klimawandels wird aktueller denn je.
  • Verbringt mehr Nächte in den Bergen!! Die Stimmung bei der Abenddämmerung, dieses Licht während dem Sonnenaufgang…..ist in den Alpen nochmals schöner als sonst wo. Doch falls ihr in einem Massenschlag die Nacht verbringen wollt, dann kommt hier schon der nächste Tipp: Vergesst ja nicht einen Gehörschutz (z.B. Ohrstöpsel) mitzunehmen. Denn ein Schnarcher kann Dir die Nacht schnell mal verderben.

 

Grosse Aletschgletscher (schwarzweiss)

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Über den Autor...

marc

marc

Ein nimmersatter Weltentdecker, sei es in der Schweiz, in Europa oder in der fernen Welt. Und ein passionierter Photograph, von Landschaften, Städten oder Menschen. Das bin ich, Marc, aus Bern, Schweiz.

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