Mirage Gstaad:
Das Spiegelhaus auf dem Panoramaweg Gstaad – Schönried – Saanenmöser

Die kleine Wanderung zwischen Gstaad und Schönried führt zum „Mirage Gstaad“, ein provisorisches Kunstwerk im Berner Oberland. Das kontroverse Spiegelhaus ist eine wahre Sehenswürdigkeit und steht noch bis 2021 in der Landschaft.


Zusammenfassung

Wanderweg: Gstaad – Gruben – Schönried – Saanenmöser

Länge: 7 km

Höhenunterschied (aufwärts): ca. 230 m

Dauer: ca. 2h 30min

Alternative: Spaziergang bergab von Schönried nach Gstaad



Panoramaweg im Saanenland: Ein Spaziergang für die ganze Familie

Eine Region, die ich noch aus meiner Schulzeit dank unvergesslichen Ski- & Sommerlager bestens kenne, ist die Region rund um Schönried, Saanenmöser und Gstaad. Das eher modäne Skigebiet ist im Winter auch bei den Reichsten der Welt beliebt – es wäre kein Zufall, wenn Du hier einen ehemaligen James Bond oder sonstigen Film Prominent triffst.

Ich habe mich entschlossen, das Saanenland wiedermal zu besuchen und einen kleinen Spaziergang zu unternehmen: Ich starte meine kleine Wanderung auf dem Panoramaweg in Gstaad und laufe hinauf nach Schönried – um meinem Körper etwas Anstrengung zu gönnen. Wer jedoch einen gemütlichen Ausflug mit Kindern unternehmen will, dem würde ich eher vorschlagen die umgekehrte Route in Saanenmöser oder Schönried zu beginnen.

Grundsätzlich ist es hier in der Region ziemlich cool, dass man alle Routen auch noch spontan kürzen oder verlängern will – alle Ortschaften liegen an der Zugstrecke der Montreux-Oberland-Bahn (MOB).

Nach einer zweistündigen Zugfahrt von Bern aus, starte ich also diesen gemütlichen Spaziergang durch eine traumhafte Berglandschaft: Gleich ab dem Bahnhof Gstaad folge ich dem gut ausgeschilderten Wanderweg nach Schönried. Das erste Stück um das Dorf zu verlassen ist etwas steil und streng, aber schon bald werde mit einer netten Aussicht auf die umliegenden Bauernhöfe und grünen Felder belohnt.

Da bin ich also, mitten im Herzen des Saanenlandes. Diese Wanderung im Berner Oberland ist ziemlich abwechslungsreich: Viele grüne Wiesen, mit prächtig blühenden Blumen. Weidende Kühe. Ein kleiner Bach. Und ja, wenn man sogar etwas Glück hat, fährt noch ein GoldenPass Panoramic-Zug auf dem Weg nach Montreux in der Landschaft vorbei.

Dieser Spaziergang ist einer wie im Bilderbuch steht – viel klischeehafter geht es kaum.

panoramaweg-saanenland-wandern

Mirage Gstaad – ein umstrittenes Kunstwerk

Das eigentliche Highlight auf der Panorama-Wanderung ist ein spezielles Kunstwerk: Eine verspiegelte amerikanische Ranch, auf einem kleinen Hügel, mit bester Aussicht auf das Rüeblihorn.

Der in Los Angeles lebende Künstler Doug Aitken hat im Februar 2019 gemeinsam mit der Destination Gstaad eine wahre Sehenswürdigkeit in die Region gebracht: Während einer befristeten Zeit von 2 Jahren (also bis Februar 2021) steht ein Spiegelhaus namens „Mirage Gstaad“ gleich am Panoramaweg. Diese Aussenskulptur soll die umliegende Gebirgslandschaft und die wechselnden Jahreszeiten reflektieren, wobei der Besucher auch die Möglichkeit erhält mit den Spiegeln auch im Innern des Hauses zu interagieren. Es ist ein kleines Spiegellabyrinth, und daher ein toller Tummelplatz für alle Fotografen von jung bis alt.

Die ganze Oberfläche des Chalets (im amerikanischen Stil) ist umhüllt von durchgehenden Spiegeln. So absorbiert und reflektiert das Kunstwerk das Licht und die Farben der umgebenen Landschaft – und erweckt dadurch den Schein, als verschmelze das Gebäude in seiner Umgebung. Je nach Blickwinkel sieht man die Spiegelung der Details in der Landschaft, je nach Wetterlage, Tages- und Jahreszeit werden verschiedene Farben und Motiven prominenter zum Vorschein treten.

Das neue Aushängeschild von der Region Gstaad spaltet jedoch die Geister der Einheimischen. Auch wenn das Dorf Gstaad eigentlich schon bekannt ist für seine extravagenten Häusern, Villen und Hotels, so stösst das futuristische Kunstwerk nicht nur auf Akzeptanz: Für manche ist ein solcher glasiger Hingucker völlig überflüssig, da man die Landschaft auch mit blossem Auge betrachten könne. Andere sehen sogar ein Problem für die Fauna, da verglaste und verspiegelten Häuser für die Vögel eine Gefahr darstellen. Und die grössten Kritikern befürchten einen Ansturm der Touristen, obwohl die Wanderer schon zu Genüge in der Gegend spazieren.   

Wie kommt man zum Mirage Gstaad?

Was viele nicht wissen: Die begehbare Struktur aus Spiegel und Glas wurde bereits 2017 ausgestellt, jedoch in einer ganz anderen Umgebung: Das Kunstwerk stand in der Sonara-Wüste im amerikanischen Palm-Springs.

Heute liegt das Mirage Gstaad ziemlich genau auf dem Panoramaweg zwischen Schönried und Gstaad (Koordinaten: 46°29‘53.4“N / 7°17‘11.1“E). Wer keine Lust auf den ganzen Spaziergang hat, kann mit dem Zug in Schönried oder bei der Haltestelle Gruben aussteigen (oder beim Bahnhof sein Auto parkieren) – das Mirage Gstaad ist von hier in einer Viertelstunde Fussmarsch erreichbar.

Mirage Gstaad, ein beliebter Fotospot

Ob im Winter, Frühling, Sommer oder Herbst – das Mirage Gstaad ist zu einem beliebtem (Instagram-)Fotospot geworden. Kein Wunder, da die Spiegelungen unendlich verschiedene Fotomotive ermöglichen. Wenn man die entsprechende Inspiration findet, kann man hier stundenlang am perfekten Foto rumpröblen.

Wer das Fotosujet für sich alleine haben will, sollte das Kunstwerk an einem Arbeitstag, am Besten in den frühen Vormittagsstunden oder abends bei Sonnenuntergang besuchen – wobei auch zu diesen Zeiten mit vielen Fotografen zu rechnen ist, die auf die perfekte Stimmung sehnlichst warten.

Auch wenn diese Aussenskulptur ein wahrer Hingucker ist, bin ich immer noch in der Entscheidungsphase, ob ich dieses Kunstwerk richtig toll oder richtig doof finden soll.

Klar, es ist für einmal etwas Anderes – und es ist während dem Provisorium bis im Februar 2021 sicher auch einen Ausflug wert. In einem Spiegellabyrinth zu fotografieren, macht durchaus Spass – insbesondere im Zusammenspiel mit der Bergwelt.

Doch braucht es solche moderne Kunstwerke im traditionellen, urchigen Berner Oberland wirklich? Welche weitere Projekte werden im Namen der Kunst in das schöne Naturbild zukünftig eingreifen? Und welchen Nutzen hat so ein Kunstwerk wirklich?

Mit solchen und weiteren Fragen stieg ich in Schönried wieder in den Zug zurück in die Bundesstadt ein – mit der Lust, das Mirage Gstaad auch einmal im winterlichen Schnee zu besuchen.

Ja, auch ich bin nicht immer ganz konsequent.

 

Was denkst Du über das Mirage Gstaad? Sind solche Kunstwerke eine Bereicherung für eine Tourismusregion? Oder stören Dich solche extravaganten Gebäude eher? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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